
In unserem Jubiläumsjahr blicken wir gemeinsam auf besondere Momente zurück, die unseren Alumni-Verein geprägt haben.
Zu Besuch bei raumCode GmbH in Zürich am 28. Oktober 2021
«Hätten Sie Freude, wenn Sie im Altersheim primär von Robotern betreut werden?» Mit dieser Frage eröffnete Jonas Stauffer, Geschäftsführer der raumCode GmbH, den Besuch der anwesenden Alumni-Mitglieder am Donnerstagabend in Zürich. Die Antworten der Anwesenden gingen auseinander: Von «Ja, klar.» bis «Vielleicht, aber sicher nicht nur von Robotern». Damit war die Diskussion rund um die Einsatzgebiete von Robotern sowie deren aktuellen und künftigen Fähigkeiten lanciert.

Dass Roboter in Zukunft eine immer wichtigere Rolle in unserer Gesellschaft spielen werden, ist laut Jonas Stauffer vorprogrammiert. Sie werden uns unangenehme Arbeiten abnehmen und den Menschen dort ersetzen, wo es zu wenige gibt. Um festzustellen, dass dies kein fernes Science-Fiction-Szenario ist, lohnt sich ein Blick nach Japan. In Japan, ein Land, welches mit einer starken Überalterung der Gesellschaft kämpft und gleichzeitig sehr technikaffin ist, sind Roboter schon länger in alltäglichen Situationen angekommen. Das Einsatzspektrum reicht von Roboter-Rezeptionisten in Hotels über Roboter, die Gäste in Restaurants bedienen bis hin zu Robotern, die im Haushalt helfen. In Japan sind Roboter in einigen Bereichen also bereits Teil der Gesellschaft.
Doch was können Roboter heute eigentlich bereits alles und wo sind sie noch limitiert? Jonas Stauffer gibt einen Einblick in den Stand der Technik und Forschung. Zu Beginn betont er aber: Die technische Intelligenz von Robotern heute ist nicht zu vergleichen mit der menschlichen Intelligenz. Vielmehr geht es bei Robotern um eine neue Art, grosse Datenmengen zu analysieren, zu verarbeiten und nach vorgegebenen Mustern in Aktionen umzusetzen. Dafür müssen sie mit Daten gespiesen werden. Und die Fähigkeit, aus Mehrdeutigkeit Sinn zu erschliessen, kriegen sie noch lange nicht so gut hin, wie der Mensch dies kann.
Den Anfang nahm die raumCode GmbH im Rahmen eines gemeinsamen Projekts im 2018 mit der Migros. Bei diesem wurde deutlich, dass es für den Betrieb der heute verfügbaren, menschenähnlichen Robotern (wie z.B. den bekannten Pepper), vor allem eine gute Software braucht. Solche Roboter sind, Stand heute, eigentlich als eine sehr intelligente Webseite zu bezeichnen, die mit Inhalten befüllt werden könne. So führt Jonas Stauffer vor, wie er über Pepper einen Roboterkollegen namens Témi aus einem anderen Raum herbeiruft. Kurze Zeit später rollt Témi gehorsam ins Zimmer und sucht sich seinen Weg durch die Anwesenden hindurch. Hinter dieser Aktion steckt kein selbständiges «Denken und Handeln» der Roboter, sondern ein vordefinierter, menschengemachter Computeralgorithmus. Für die Anwesenden dennoch ein beeindruckendes Schauspiel.
«Die heute kursierenden Videos von Robotern, die erstaunliche Hindernisse mit beeindruckender Präzision und schon fast Leichtigkeit überwinden, vermitteln einen falschen Eindruck von deren aktuellen Fähigkeiten. Die vielen Stunden von Videomaterial, bei denen die Roboter mal für mal scheitern, werden unterschlagen» so Jonas Stauffer. Alles, was mit Bewegung und autonomer Orientierung im Raum zu tun hat, ist noch stark in der Entwicklung. Nichtsdestotrotz: Das Interesse an Robotern in Industrie und Gesellschaft nimmt laufend zu. In diversen Bibliotheken z.B. steht ein Pepper und gibt den Besuchenden Auskunft, wo sie ein bestimmtes Buch oder die Toilette finden. Bei solchen Robotern gibt es gemäss Stauffer, neben der kompetenten Auskunft, ein entscheidendes Element: Der Spass an der Interaktion. Macht es den Menschen keinen Spass, dann verlieren sie sehr rasch das Interesse daran. Also müssen die Roboter immer mit neuen Fähigkeiten programmiert werden, damit das spielerische Erleben auf Seiten der Menschen gefördert wird. Insofern liegt das Ziel der Forschung und Entwicklung der raumCode GmbH weniger in der Effizienzsteigerung von Abläufen und Prozessen (und damit womöglich in der Substitution der menschlichen Arbeit), sondern an der Freude der Interkation mit Robotern. Und hier könnte auch die Angewandte Psychologie einen grossen Mehrwert beitragen. Zum Beispiel zu den Fragen, wie genau solche Interaktionen gestaltet sein müssen, welche Emotionen wann und wie ausgelöst werden oder wie die Usability gestaltet sein muss.
Gegen Ende des Anlasses scheint klar zu sein, dass Roboter immer mehr unseren Alltag prägen werden und diese Entwicklung kaum aufgehalten werden kann. Diese Erkenntnis wird bestärkt durch die jüngste Ankündigung von Elon Musk (Gründer und Besitzer von Tesla). Dieser verkündete, dass Tesla in den kommenden Jahren einen humanoiden Roboter der nächsten Generation entwickeln will, welcher sogar fähig sein soll, selbständig unseren Einkauf zu erledigen. Für Jonas Stauffer ist es derzeit schwierig einzuschätzen, was von dieser Ankündigung zu halten ist. Die propagierten Fähigkeiten dieses Roboters erinnern sehr stark an den Film «I, Robot» aus dem Jahr 2004. Wird also aus der damaligen Fiktion schon bald Realität? Für Jonas Stauffer ist dies zumindest aus der heutigen Perspektive schwer vorstellbar. Zudem stellt sich eine ganz zentrale, gesellschaftliche Frage: Wollen wir das überhaupt?